Werk – Dokument

1. Archive

Spätestens seit der Jahrhundertwende habe ich konzentriert mit photoshop gearbeitet. Wie bei den Bitmaps entstanden dort zunächst gegenständliche
Bilder ohne Fotovorlagen. Diese Bilder wurden montageartig mit fotografischem oder gescanntem Material verknüpft. Teile meines umfangreichen Archivs von Fotoskizzen, die kontinuierlich nebenbei entstanden, konnten dort gut verwendet werden.
In den 70-ern habe ich Fotos noch in der Dunkelkammer selbst bearbeitet. Neben der alltäglichen Arbeit mit Kleinbildkamera machte ich mit einer Mittelformatkamera bewusst gestaltete Bildkompositionen im kleinen Format. Die Arbeit im kleinen oder sehr kleinen Format hat mich immer wieder besonders interessiert. So entstanden mit der Mittelformatkamera auch viele Polaroids,
einzeln oder zu mehreren auf DIN A4 montiert. Das ganze technische Potential der Profikamera wurde bewusst nicht eingesetzt. Technische Rafinesse hat mich bei meinen eigenen Fotografien weniger interessiert, es ging ums bloße “Bildermachen”, es ging um Beleuchtung, Struktur, Grauwerte oder Farben. Fotografie und Drucktechnik waren für meine Art zu arbeiten rein experimentell. Das „selber machen” wollen war mir immer wichtig. Studioaufnahmen und tabletop-Fotografien waren mein Schwerpunkt. Einige dieser Materialien wurden für experimentelle Grafik mit Hilfe des Kopierers weiterverwendet. Spätestens seit Beginndieses Jahrhunderts wurde die Laborarbeit von fotoshop abgelöst.
Bei diesem Umgang mit Bildern, sind diese einerseits Teil von umfangreichen Archiven, d.h. sie sind potenzielles Material für Anderes, als nur Sachverhalte zu erläutern und zu verdeutlichen. Alles, also nicht nur die eigenen Bilder, sondern
auch gefundenes Bildmaterial kann Dokument sein. Andererseits können einzelne Bilder auch Eigenwert haben. Diese doppelte Funktion haben alle Objekte, insbesondere solche mit kulturhistorischer Bedeutung.

2. Sammeln - Dokumentation

In den 70-er Jahren war Dokumentation fast ein magischer Begriff, wichtig als Material für die Argumentation in der Gesellschaftskritik. Gegen die Dominanz der “Väter” brauchte man viel Material. Ein Teil der Künstlerbücher und Kataoge dieser Zeit wurden dadurch deutlich geprägt. Dabei gab es ein besonderes Interesse an bisher nicht beachteten Quellen außerhalb dessen, was bis dahin
“Hochkultur” genannt wurde. Der Blick hat sich seitdem nicht nur geändert sondern auch erweitert zu einem allgemeineren Medienbegriff. Das Sammeln von Bildern und auch Objekten kann sich verselbstständigen, was man im
Nachhinein vielen Publikationen dieser Zeit ansehen kann. Das Interesse an den einzelnen Objekten verschwindet dann hinter dem Wunsch nach Vollständigkeit oder dem nur viel „haben zu wollen“.
Ich arbeite gern mit alltäglichen Materialien, das ist geprägt duch die Kunst der 70-er Jahre. Spätestens seit der Wende durch Popart und verwandte Stilrichtungen haben Materialien die anderweitig schon mal benutzt worden sind, also Gebrauchspuren tragen, eine besondere Qualität. Das Sammeln ist für mich eine Arbeit, die perspektivisch die Zukunft im Blick hat. Die Sammlungen enthalten das unausgesprochene Versprechen, etwas Neues werden zu können,
aber nur potenziell. So sammele ich eigene oder fremde Bilder für spätere noch vage skizzierte Projekte. Aus Platzgründen zeigen sich da schnell Grenzen. Ich habe gelernt, dass zum Sammeln notwendig auch das wieder Weggeben
gehört. Eine spezielle Möglichkeit, die Grenzen des Sammelns zu erweitern, ist die fotografische Dokumentation von Kunstobjekten, die dann entsorgt werden können. Eine Reihe von solchen Fotografien zeigen Objektinstallationen,die nur zum Fotografieren gebaut wurden und heute nur durch Fotos existieren. Sie sind also „Objekte zum Fotografieren“. Bildausschnitt und Beleuchtung machen diese
Dokumentationen dann möglicherweise wieder zu eigenständigen Bildern.
Die Arbeit mit dem Computer begünstigt solche Mischformen (Zwitter). Für neue Bildideen sammele ich digitale Bilder, eigene und fremde. Ein kleiner Teil dieser Projektideen wird dann später realisiert, häufig durch Kombination von Materialien aus anderen Projekten. Computerbilder als eigenständige Produkte sind in diesem Sinn problematisch. Sie müssen aufwendig bearbeitet werden, um die vergleichbare Qualität von Handgemachtem zu haben. Endgültige Computerbilder machen mindestens soviel Arbeit wie Handgemachte.

3. Bildfelder

In der klassischen Ästhetik wird die Neigung, die ganze Bildfläche mit Bildelementen zu bedecken, als „Horror vacui“ bezeichnet und als solches streng kritisiert. Eine weniger diskriminierende Bezeichnung heißt „Liebe zum Unendlichen“. So würde ich das eher bezeichnen. In der frühen Moderne haben viele Künstlerinnen und Künstler diese andere Sichtweise vertreten. So auch Max
Ernst und Richard Oelze, zwei Maler, die ich besonders schätze. Seit 1999 habe ich verschiedene Gemälde so gestaltet, dass sie horizontal oder in alle Richtungen einen Rapport bilden können, wie bei einem Kanon. In „Westwald“, einem 3-tafligen Acrylbild, sind die Tafeln so strukturiert, dass die äußerst rechte vor den äußerst linken Bildteil gesetzt, wieder ein in sich geschlossenes anderes
Bild ergeben kann. Mit mehreren Kopien dieser drei Tafeln könnte das Ganze beliebig lange nach rechts und links als unendliche Folge verändert werden.
Bei dem 16- teiligen Wandbild “Fenster” gilt dasselbe für alle vier Richtungen. Ein Bildgedanke, der auch von Jasper Johns in seiner Bilderserie „ corps and mirror“ (1972- 1983) verwendet wird: Bilder zu gestalten, bei denen man das gleiche Bild
an alle Seiten bruchlos wieder anfügen kann.

Zu Beginn diese Jahrhunderts entstanden Bilderserien mit dem Arbeitstitel „Unendlich“, in denen die genannte Praxis in der Grafik aufgegriffen und erweitert wurde.