Ü b e r  M e r t e n  S i e v e r s


1945

1967 – 1973

 

 

 

 

 

 


1973

 

 


1974 – 1982

 


1982

geboren in Stadthagen (Bückeburg)

Studium Freie Kunst und Kunstpädagogik
(Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig)
Freie Malerei (bei R. Dörfler) und Kunstgeschichte (bei R. Hiepe)
Druckgrafik und Fotografie,
Tutorentätigkeit (Druckgrafik )

Umzug nach Bremen, Lehrauftrag
Kunsthochschule Bremen (im Projekt „Kunst und Arbeit“)

 

Schuldienst, gleichzeitig intensive freie künstlerische Tätigkeit

Reduzierung der Lehrertätigkeit zu Gunsten der freien künstlerischen Arbeit


Zum Verständnis der Bilderserien von Merten Sievers

Seit fünfzig Jahren mache ich Bilder und plastische Objekte. Kleine Handzeichnungen entstehen unterwegs und während Wartezeiten.
Ich bin interessiert an allem, was „Bild“ ist und versuche, beim Wechsel der Gattung oder des Mediums neue Erfahrungen aus dem einen in das andere zu integrieren. So ergeben sich beispielsweise beim Wechsel von Originalgrafik zu digitalen Zeichnungen viele neue Möglichkeiten, starre Gattungsgrenzen werden. überwunden.

Beim Zeichnen mit den im Computer vorgegebenen Formen, wie beispielsweise Ellipse oder Rechteck können diese leicht wie Bildzeichen in expressionistischer Weise verwendet werden Diese geometrischen Grundformen sind auch bei den Abstrakten der klassischen Moderne und Minimalisten in andrer Weise zu finden. Sie prägen das äußere Erscheinungsbild der Moderne.
Meine Arbeiten benutzen diese „reinen Formen“, jedoch um sie in plastische Dingobjekte im neusachlichen Sinne umzuformen.
Da es mir nicht um Abbildung von konkret Gesehenem, sondern um Neufindung von inneren Bildern geht – dieses mit Hilfe der psychischen Improvisation – sind die ersten Stadien meiner Zeichnungen immer gestisch-abstrakt. Schrittweise werden diese Strukturen dann vergegenständlicht.
Neu ist bei diesen Arbeiten für mich die Verwendung von improvisierten Zeichenhilfen und Schablonen.

Das Thema „Rahmen“ ist bei diesen Arbeiten besonders betont. Alle Grafiken  haben einen gezeichneten schlichten Rahmen, sind also im engeren Sinne Bilder von Bildern im Rahmen. Die Bildelemente sind der Form nach abstrakt, in der Erscheinung jedoch konkret-gegenständlich. Diese Strukturen, insbesondere die, die mit dem Lochblech als Raster gestaltet wurden, bekommen bei Überlagerungen einen malerisch impressionistischen Charakter. Manchmal erinnern sie aber auch an stark vergrößerte gerasterte Fotos.
Von der Größe her sind die Grafiken Miniaturen. Die betonte Rahmung erinnert an Buchillustrationen in der gotischen Buchmalerei. Die Vereinfachung der Figuren im Detail erinnert auch an Bildteppiche. Tatsächlich haben digitale Raster eine Verwandtschaft mit textilen Strukturen.
Viele meiner Bilder zeigen daher eine Mischung von kubistischen und gotischen Elementen.

Raster als vervielfältigter Rahmen, Kreis als Gegenstand oder bloßer Rahmen sind häufig auftretende Motive in meinen Grafiken. Alle haben je nach Konstellation ambivalente bzw. widersprüchliche Wirkungen. Ein Gitter kann beschützen oder einsperren. Das Raster kann aber bei kleinteiligen Bildstrukturen Stabilität und Orientierung vermitteln. Neben dem ganzen Rahmen schafft es Übersichtlichkeit, wie beispielsweise die Höhen- und Breitenlinien einer Landkarte.
Der flache Objektkasten ist das Raummodell vieler Grafiken. Beim Relief werden Gestaltungsmittel der Fläche genauso möglich wie körperhaft Plastisches. Dieser „Bühnenraum“ ist lange Zeit wichtiger als der perspektivische Systemraum gewesen.

Alle Grafiken bilden Serien. Die einzelnen Bilder können in beliebiger Anzahl und Anordnung miteinander kombiniert werden. So bilden sie unterschiedliche Gemeinschaften: Paare, Familien, Gruppen, Mengen. Die Gruppierungen können wie beim obigen Beispiel als Reihung oder wie in dem darüber gezeigten Beispiel als Bildfeld gebildet werden.